Nahostkonflikt „Private“ : Schon wieder ein misslungener Kinofilm zum Nahostkonflikt.

Anna Blume / Mut gegen rechte Gewalt

Dem Erfolg von Filmen wie „Paradise Now“ geschuldet, kommt jetzt die italienische Produktion „Private“ in die deutschen Kinos – mit zweijähriger Verspätung. Aber das Warten hat sich nicht gelohnt.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Mohammed B. lebt mit seiner Frau und den vier Kindern im Niemandsland zwischen einem palästinensischen Dorf und einem israelischen Militärstützpunkt. Eines Nachts stürmen israelische Soldaten das Haus, erklären es für „besetzt“ und fordern die Familie zum Verlassen auf. Nachdem diese sich weigert, wird das Haus durch die Soldaten in drei Zonen aufgeteilt. Das Obergeschoss wird zum Militärlager, im Untergeschoss darf sich die Familie tagsüber aufhalten und ins Wohnzimmer wird sie nachts eingesperrt. Es folgt ein 90 minütiger Erguss über den Versuch der Familie trotz „Besatzung“ ein normales Leben zu führen. Kurz nachdem die Soldaten das Haus verlassen um zum nächsten Ort weiter zu ziehen, stürmen andere israelische Soldaten das Haus und besetzen es erneut. Ende.

Dokumentarischer Spielfilm à la „Paradise Now“

Natürlich beruht der Film – wer hätte es auch anders erwartet – auf einer wahren Begebenheit. Um einen Dokumentarfilm soll es sich hierbei aber dennoch nicht handeln, zumindest nach den Aussagen des Regisseurs und Co-Drehbuchautors Saverio Costanzo, der 2004 mit „Private“ seinen ersten Spielfilm drehte. Doch nicht zuletzt durch die Verwendung einer digitalen Handkamera und den langen, ungeschnittenen Einstellungen erhält der Film einen dokumentarischen Anstrich. Also ein „dokumentarischer Spielfilm“ à la Hany Abu-Assad, auch hier gilt: „Was nicht gedacht werden darf, soll nicht gezeigt werden“* und was gedacht wird bzw. werden soll, darf auch gezeigt werden.

Und so wird der Nahostkonflikt mit all seiner Komplexität metaphorisch verkürzt auf einen Konflikt zwischen zwei Parteien (palästinensische Zivilbevölkerung vs. Israelische Soldaten) unter einem Dach herunter gebrochen. Antisemitismus, politischer Islam und Selbstmordattentate finden so gut wie keine Erwähnung, lediglich letzteres kann man anhand einiger Fernsehausschnitte von Islamistischen Fundamentslisten erahnen.

Die europäische Wahrnehmung des Nahostkonfliktes – David (unterdrücktes palästinensisches Volk, in diesem Fall die Familie) gegen Goliat (Israel als Besatzer, in diesem Fall die israelischen Soldaten) – spiegelt sich ähnlich wie bei „Paradise Now“ auch in der Darstellung der einzelnen Figuren wieder.

Dichotome Rollenbilder und antisemitische Klischees

So sind alle Mitglieder der Familie gut, friedlich und lehnen jegliche Form von Gewalt ab. Dies ändert sich bei einigen, aber auch erst durch die israelische „Besatzung“.

Der ältere Sohn will ein Attentat verüben und bringt dabei fast seinen Vater um. Nur in letzter Sekunde kann er die Handgranate wieder sichern. Vor der „Besatzung“ war er ängstlich und verschüchtert. Die Propaganda im palästinensischen Fernsehen ließ ihn kalt. Dies änderte sich erst und auch nur durch die „Besatzung“.

Mariam B., die ältere Tochter – im Übrigen eine selbstbewusste, junge Frau, die im Westen studieren soll und so ganz und gar nicht exemplarisch für Frauen in der islamischen Welt steht – schleicht sich entgegen den Befehlen der Soldaten ins Obergeschoss. Sie führt lange Diskussionen mit ihrem Vater, in denen sie von ihm unter anderem einfordert sich zu wehren und nicht alles gefallen zulassen. Doch der westlich und modern gebildete Mohamed B., plädiert für passiven Widerstand und zitiert Shakespeare.

Lernt man die einzelnen Familienmitglieder von Anfang an gut kennen und erlebt die Geschichte durch ihre Augen, so darf man dies bei den israelischen Soldaten erst, nachdem man durch emotionale Ergüsse zum 7. Familienmitglied geworden ist und sich voll und ganz mit den Palästinensern identifiziert hat. Doch selbst dann werden die Israelis als plan- und ziellos dargestellt, sie wissen nicht, warum sie eigentlich in diesem Haus sind. Nicht zuletzt durch die erneute „Besatzung“ des Hauses durch andere israelische Soldaten, die nichts von ihren Vorgängern wissen, erscheinen sie als inkompetent. Und, als wäre dies nicht genug, wird mit der Zerstörung des in harter Arbeit erbauten Treibhauses der Familie durch einen Soldaten das Klischee der aus langer Weile zerstörten Olivenbäume hervorgekramt. Fehlt nur noch das Kind, welches Steine auf israelische Panzer schmeißt, doch irgendwie wird auch dieses durch den älteren Sohn mit der Handgranate bedient.

Die Wahl des Hauptdarstellers…

… überrascht nach all diesem wohl wenig. Mohamed Bakri ist nach eigenen Aussagen durch die Intifada zum Dokumentarfilmer geworden. 2002 dreht er als Regisseur den umstrittenen Dokumentarfilm „JENIN, JENIN“, der die „Besatzung“ Dschenin aus plästinensischer Sicht zeigt. Erstmals seit 15 Jahren sahen sich die israelische Zensurbehörde gezwungen einen Film zu verbieten.

Ein Schrecken mit Ende?

Glücklicherweise läuft „Private“ so schlecht an, dass er bereits nach der zweiten Woche in einem der drei Berliner Kinos – Eiszeit, Broadway und Hackesche Hoefe – welches ihn zeigte, vom Spielplan genommen wurde. Ein weiteres folgte nur eine Woche später. Bleibt zu hoffen dass diese Entwicklung anhält und er ab nächster Woche zumindest in Berlin nicht mehr gezeigt wird.

* Tobias Ebbrecht, Berliner Lektionen. Quelle: www.typoskript.net

„Unauslöschlich wie die eintätowierte Nummer auf dem Arm“ : Rezension von Ewald Hansteins „Meine hundert Leben – Erinnerungen eines deutschen Sinto“

Anna Blume / Mut gegen rechte Gewalt

Ewald Hanstein wurde 1924 in Oels bei Breslau geboren. Er überlebte Auschwitz-Birkenau, Buchenwald, Mittelbau-Dora und die Todesmärsche. Seine Familie hatte nicht soviel Glück. „Als ich in Auschwitz ankam, lebten nur noch drei Geschwister meiner Mutter. Als ich in Buchenwald ankam, hörte ich, daß alle vergast worden waren.“

Seine Erinnerungen hat Ralf Lorenzen aufgezeichnet und 2005 im Bremer Donat Verlag veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht dabei der Leidesweg Hansteins durch die nationalsozialistischen Lager, der 1936 mit der Deportation ins „Berlin Marzahn Rastplatz“ begann. Doch auch die Zeit nach 1945 war für Sinte und Roma von Vorurteilen, Diskriminierung und Vertreibung gekennzeichnet. „Der Schrecken verschwand nach 1945 ebenso wenig aus unserem Leben wie die Nazis aus den deutschen Amtsstuben.“

Der Kampf um Entschädigung war langwierig und entwürdigend. „20 Jahre lang habe ich für eine Entschädigung von 530 Mark gekämpft.“ Absurderweise hatte Hanstein damit noch Glück, denn die meisten Anträge auf Entschädigung wurden abgelehnt. Doch Lorenzen beschränkt seine Aufzeichnungen nicht auf „die grauenhaften Nazijahre und deren bis heute reichende Folgen“, denn zu Hansteins Leben gehört mehr als nur passives Opfer zu sein. Dementsprechend beschäftigt sich der letzte Teil des Buches mit Hanstein als jemandem, dem es gelingt, anderen Menschen Mut zu machen und der sich für ihre Rechte einsetzt. In einer Rede reflektiert er: „Die Befreiung von Auschwitz hat die am Leben Gebliebenen davor bewahrt, ermordet zu werden, zu verhungern oder zu erfrieren. Doch von unseren Erfahrungen und Träumen kann uns niemand befreien. Diese sind in unseren Erinnerungen und Träumen brennende Gegenart, unauslöschlich wie die eintätowierte Nummer auf dem Arm.“

Ewald Hanstein: Meine hundert Leben – Erinnerungen eines deutschen Sinto. Aufgezeichnet von Ralf Lorenzen. Mit einem Geleitwort von Henning Scherf. Donat-Verlag Bremen, 2005. 168 Seiten, 12,80 Euro.

„Berlin Marzahn Rastplatz“ : Vor 70 Jahren wurde das erste Zwangslager für Sinte und Roma errichtet.

Anna Blume / Mut gegen rechte Gewalt

Im Mai 1936 errichteten die Nationalsozialisten in dem heutigen Berliner Ortsteil Marzahn das erste nationalsozialistische Zwangslager für Sinte und Roma. Es stellt somit eine der ersten Stationen der systematischen Ausgrenzung und Verfolgung dar, die in der Ermordung von 500.000 Sinte und Roma ihren traurigen Höhepunkt fand.

Rechtzeitig zu den Olympischen Spielen im Sommer 1936 in Berlin sollte die Stadt von allen „Schandflecken“ gesäubert sein, um sich als sauber – was soviel hieß wie „zigeunerfrei“ – zu präsentieren. Hierfür errichtete die „städtische Wohlfahrtsverwaltung Berlin“ in Zusammenarbeit mit dem Berliner Polizeipräsidenten auf Höhe des heutigen S-Bahnhof Raoul-Wallenberg-Straße das Sinte und Roma Lager mit dem offiziellen Namen „Berlin Marzahn Rastplatz“.

Auf Grundlage des vom Reichminister Frick erstellte Erlass „Zur Bekämpfung der Zigeunerplage“ vom 5. Juni 1936 vollzog die Berliner Schutzpolizei am 16. Juli eine allgemeine Landesfahndung in Berlin und Umgebung. Bei dieser wurden circa 600 Sinte und Roma in den frühen Morgenstunden mit Lastwagen ins Lager nach Marzahn deportiert. So konnte der „Berliner-Lokal-Anzeiger“ bereits am selben Tag vermelden: „Berlin ohne Zigeuner!“.

Das Leben im Lager

Sowohl die hygienischen Bedingungen als auch die Wohnverhältnisse im Lager waren katastrophal. Zudem gab es auf dem Gelände lediglich zwei Toiletten und drei Wasserstellen, letztere waren im Winter oftmals eingefroren. Dies hatte zahlreiche Erkrankungen wie Diphtherie und Tuberkulose zur Folge.

Obwohl das Lager kaum bewacht und weder von einem Zaun noch einer Mauer umgeben war, gab es aufgrund der hohen Denunziationsbereitschaft in der Bevölkerung kaum Fluchtversuche. Erfolgreich war keiner von ihnen, sie alle endeten in Konzentrations- und Vernichtungslager.

Zwangsarbeit

Alle Sinte und Roma, die das 14. Lebensjahr vollendet hatten, waren verpflichtet Zwangsarbeit zu leisten. Dies geschah unter anderem in einer Kistenfabrik, einer „Norddeutschen Kugellager-Fabrik“ und in einer Wachsfabrik sowie beim Rüstungsbetrieb „Dannemann und Quandt Apparatebau“ und bei der „KnorrBremse AG“.

Doch auch in dem 1940-42 gedrehten Film „Tiefland“ von Leni Riefenstahl mussten 65 Lagerinsassen als Komparsen (spanische Mägde, Knechte und Bauern) mitwirken. Nach der Uraufführung 1954 (!) in Stuttgart wurde der Film bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Publikumspreis ausgezeichnet und ARTE vertrieb den Film 2001 mit dem Vermerk: „bietet beste Unterhaltung in überzeugender Qualität auf VHS und DVD“*.

Auflösung des Lagers

Bis zum 1. März 1943 wurde das Lager aufgelöst und alle Insassen nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Anlass hierfür war der so genannte Auschwitzerlass Heinrich Himmlers vom 16. Dezember 1942. Lediglich zwei Familien fielen diesem Erlass nicht zum Opfer, da sie von den Mitarbeitern der Rassehygienischen Forschungsstelle für weitere ‚Untersuchungen’ benötigt wurden. Sie konnten am 21. April 1945 von der Sowjetarmee befreit werden.

Entschädigung?

In der Nachkriegszeit wurden die meisten Entschädigungsanträge abgelehnt. In anbetracht der Tatsache, dass bei den Gerichtsverfahren dieselben Personen als Zeugen und Gutachter auftraten, die bereits im Nationalsozialismus die Gutachten für die Deportation der Sinte und Roma ausstellten, verwundert dies kaum.

Zudem sah der Bundesgerichtshof bis 1963 eine rassische Verfolgung als Grund für die Deportationen der Sinte und Roma erst mit dem Jahr 1943 als gegeben an. Bis dato wurde sie nicht als „wegen [ihrer] gegen den Nationalsozialismus gerichteten politischen Überzeugung, aus Gründen der Rasse, des Glaubens oder der Weltanschauung […] durch nationalsozialistische Gewaltmaßnahmen verfolgt worden“** angesehen und hatten somit keinen Anspruch auf Entschädigung.

Doch selbst wenn nach 1963 ein Antrag positiv beschieden wurde und die Überlebenden ihre Auszahlung noch erleben – was selten genug der Fall ist – stellt sich die Frage, ob „Entschädigung“ das richtige Wort ist.

* Quelle
** Entschädigungsgesetz der BRD von 1953.

Der Fall „Thor Steinar“ : Rechtsstatus weiterhin ungeklärt

Anna Blume / Mut gegen rechte Gewalt

Die Zeiten in denen Neonazis im Skinhead-Stil mit Springstiefeln und Bomberjacken als klar erkennbar galten sind längst vorüber. Heute wollen sie sportlich, modisch und diskreter auftreten – aber ohne auf ihre rechtsextremen Symbole zu verzichten. Die werden immer zweideutiger und bereiten Gerichten Kopfzerbrechen.

Das Rechtsrock-Blatt „Rock-Nord“ sieht in „Thor Steinar“ ein „patriotische[s] Kleidung[sstück] mit nordischer Attitüde“. In diversen Internetforen bezeichnen Neonazis „Thor Steinar“ als ihre Marke. In diesem Sinne verbot das Landesgericht Neuruppin das Logo im November 2004. Am 12. September hob das brandenburgische Oberlandesgericht diese Entscheidung jedoch wieder auf, da „das ehemalige Markenlogo der Marke „Thor Steinar“ […] in seiner konkreten Gestaltung – jedenfalls aus heutiger Sicht – nicht den Tatbestand des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen im Sinne von §86 a Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 StGB [erfüllt].“

Das Gericht verkennt allerdings nicht, „dass die Textilien der Marke „Thor Steinar“ durch ihre farbliche Gestaltung und verwendete Aufschrift gerade Personen der rechtsextremen Szenen ansprechen und dies mutmaßlich vom Hersteller auch so beabsichtigt ist.“

Aufgrund dieses Urteils werden circa 200 laufenden Verfahren gegen Personen, die das alte Firmenlogo trugen, eingestellt. Damit verringert sich in Brandenburg die Zahl der eingeleiteten Strafverfahren mit rechtsextremen Hintergrund von Januar bis August 2005 auf 636.

Keine einheitliche Rechtssprechung

Nichtsdestotrotz wird die Bekleidungsmarke „Thor Steinar“ auch nach diesem Urteil in den Auflagen zu einigen Nazi-Demonstrationen als verboten aufgeführt. Außerdem sehen sich andere Bundesländer nicht an das Urteil des Brandenburgischen Oberlandesgericht gebunden, weswegen beispielsweise in Berlin Kleidung mit „Thor Steinar“ Logo auch weiterhin beschlagnahmt und Anzeige erstattet wird.

„Die Aufhebung des Verbotes durch das Oberlandesgericht Brandenburg ist ärgerlich, weil dadurch eine Unsicherheit für jene Personen entsteht, die damit in ihrem Alltag arbeiten müssen. Lehrer/-innen und Jugendarbeiter/-innen beispielsweise, die in der Vergangenheit versucht haben, das Verbot durchzusetzen, werden dadurch in ihrem Engagement behindert. Allerdings ist die Unabhängigkeit der Gerichte ein wichtiges Element des Rechtsstaats“, beurteilt Bianca Klose, Leiterin der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin (MBR), das Urteil des OLG.

Thor Steinar Logo

Das alte Logo der Bekleidungsmarke „Thor Steinar“ (linkes Bild) ist eine Kombinationen von zwei Runen, der Tyr-Rune (Todesrune) und einer Mischung aus Sigrune und der Gibor-Rune (Wolfsangel).

Tyr-Rune (mittleres Bild)

„Die Tyr-Rune steht in der nordischen Mythologie für Kampf und Aktion“, heißt es in einem Informationsblatt der Kampagne „Stopp Thor Steinar“. Sie war im Nationalsozialismus das Abzeichen für Absolventen der SA-Reichsführerschulen und der 32. SS-Freiwilligen-Grenadierdivision „30. Januar“.

Siegrune (rechtes Bild)

Die S- bzw. Sigrune ist das Symbol, das nach dem Hakenkreuz am deutlichsten mit der NS-Diktatur assoziiert wird. Die aus zwei S-Runen kombinierte Doppel-Sigrune war das Zeichen der „Schutzstaffel“ (SS) der NSDAP, die für die „innere Sicherheit“ zuständig war. Die einfache Sigrune war das Emblem des „Deutschen Jungvolkes“ in der Hitlerjugend, das auf Fahnen, Standarten und Uniformen eine breite Verwendung fand. Das Zeichen ist heute verboten.

Wolfsangel

„Die Wolfsangel fand Bedeutung als völkisches Widerstandssymbol“, schreibt die Kampagne weiter und soll für Wehrhaftigkeit stehen. Ohne den kurzen Mittelbalken war diese Rune im Dritten Reich das Kennzeichen der Adjutanten der Hitlerjugend. Außerdem fand sie Verwendung als Abzeichen der 2. SS-Panzerdivision „Das Reich“ und der 34.-Grenadierdevision „Landstorm Niederlande“. Außerdem fand es in abgewandelter Form Verbreitung („NS-Schülerbund“, SA-Standarte Feldherrenhalle). Es wird auch von heutigen Rechtsextremen und Neonazis in aller Welt benutzt (z. B. als Button auf der Website von „Blood&Honour“/Skandinavien und als Logo der schwedischen Terrorgruppe VAM).

Marke von Neonazis

Der Besitzers der Marke – Alex Kopelke -, der diese durch seine Firma Mediatex GmbH zusammen mit Uwe Meusel nach außen hin vertritt, ist dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen. Bereits 1997 eröffnete Kopelke den Laden „Explosiv“ in Königs Wusterhausen, der schnell zum Anlaufspunkt für rechtextreme Jugendliche wurde. 2000 nahm er beispielsweise an einer NPD-Reichsgründungsfeier in Friedersdorf teil. Auch bei mindestens einem Liederabend mit Frank Rennicke wurde er gesehen.

Klage aus Norwegen

Im Übrigen hat inzwischen auch das norwegische Außenministerium Mitte im September eine Klage bei der deutschen Botschaft in Oslo eingereicht, da „Thor Steinar“ in ihrem Logos neben den nordischen Motiven auch die norwegische Flagge verwendet.

Dass es sich bei „Thor Steinar“ um eine Marke von und für die rechtsextreme Szene handelt ist klar, die Frage ist nur, was ein Verbot der neonazistischen Symbolik bewirken könnte.

Bianca Klose (MBR) hierzu: „Rechtsextreme Kleidung wie Thor Steinar bedient ein Bedürfnis bei Jugendlichen, das auch nach dem Verbot weiter existiert – das Bedürfnis, einem rechten Lebensgefühl Ausdruck zu verleihen. Zudem wurde lediglich das Logo der Marke verboten. Alle anderen symbolischen Inhalte blieben weiter bestehen. Eine kontinuierliche Auseinandersetzung und ein kreativer Umgang im Alltag sind einem Verbot definitiv vorzuziehen.“

Weitere Informationen unter www.stop-thorsteinar.de.vu

Dank für Hilfe bei der Recherche geht an das Antifaschistische Presse Archiv und Bildungzentrum (apabiz)

Ein Film der deutliche Kritik verdient : „Paradise Now“ verherrlicht Selbstmordattentate

Anna Blume / Mut gegen rechte Gewalt

Mit vielen Vorschuss-Lorbeeren ist die europäische Filmproduktion Paradise Now in den Kinos angelaufen. Doch der Streifen verdient weder Lob noch Preise. Er legitimiert Selbstmordattentate und reproduziert antisemitische Klischees.

Said fährt mit einem Bus in Tel Aviv. Um ihn herum sind ausschließlich Soldaten der Israelischen Armee zu sehen. Die Kameraführung ist ruhig. Langsam wird auf Saids Gesicht gezoomt, bis nur noch seine Augen zu sehen sind. Sekunden vergehen. Dann ist der Bildschirm weiß. Nicht Rot, Nicht Schwarz. Ein einfaches, sauberes, unschuldiges Weiß. Der Ton ist aus. Kein Schrei, Kein Alarm. Eine friedliche Stille. Der Abspann läuft, der Film ist vorbei. Said war Selbstmordattentäter im Auftrag einer palästinensischen Terrororganisation. In diesem Bus sprengte er sich und andere in die Luft.

Etwas zeigen, dass man nicht kennt …

Hany Abu-Assad ist Autor und Regisseur des Filmes „Paradise Now“, von dem hier die letzte Szene beschrieben wurde. Mit seinem Film wollte er nicht „etwas zeigen, das alle kennen, das man jeden Tag im Fernsehen sehen kann“ (Abu-Assad). Bei Abu-Assad heißt dies unter anderem: Keine Opfer der Selbstmordattentate und keine palästinensischen Minderheiten die günstigsten falls „nur“ diskriminiert werden. Stattdessen sieht man einen „Täter mit menschlichem Antlitz“ (Berliner Tagesspiegel), der beim Anschlag zwischen einem Bus mit Zivilisten und einem mit Soldaten unterscheidet. Eine emanzipierte junge Frau (Suha), die – so ganz ohne Kopftuch – weiß, was will und trotzdem deswegen keinerlei Probleme in der palästinensischen Gesellschaft hat. Vor allen Dingen aber sieht man Israel als allein Schuldigen am Nahostkonflikt.

… und dennoch bekannt ist

Abu-Assad zeigt wirklich etwas, dass nicht alle kennen, dass man nicht jeden Tag im Fernsehen sehen kann – wie sich ein Attentäter auf den Anschlag vorbereitet. Das Bild jedoch, welches er damit vom Konflikt vermittelt, ist ein altes – oft gesehen und gehört. Es entspricht nicht der Realität. Und dennoch dokumentiert es real die europäische Wahrnehmung des Konfliktes (die Palästinenser als ein unterdrücktes Volk (David) gegen den übermächtigen Gegner Israel (Goliat)). Kein Wort von Antisemitismus geschweige denn der Shoa.

Israelis sind nur abstrakt vorhanden …

Israelis selbst sind nur abstrakt als Masse in weiter Entfernung zu sehen, werden aber omnipräsent für alles konkret verantwortlich gemacht. So auch für die Erschießung palästinensischer Kollaborateure – was immer auch Kollaborateur in diesem Zusammenhang heißen mag – durch palästinensische Terroristen, oder aber für angeblich vergiftetes Wasser, das die Spermien der Palästinenser abtöten soll. Wird ihnen dann doch ausnahmsweise ein eigenes Gesicht und somit eine Identität zugestanden (dies allerdings auch nur zwei mal: der Soldat als Suha die Grenze überquert und das kleine Mädchen im Bus, den Said ursprünglich in die Luft sprengen wollte), so bleibt ihnen die Sprache trotzdem verwehrt.

… und dennoch konkret verantwortlich

Einzig ein Israeli, der die Beiden – natürlich für sehr viel Geld – über die Grenze bringt und in Israel betreuen soll, ist die Sprache gewehrt, allerdings (zumindest in der deutschen Übersetzung) auch nur mit Dialekt. Und dies, obwohl im Original besagter Israeli akzentfrei und die Attentäter mit eben jenen Akzent auf Englisch reden. Der Jude – denn eben dieser ist mit dem Israeli gemeint – wird durch den Akzent als „anders“ und in diesem speziellen Fall durch die ritualhafte Betonung seitens der Terroristen, dass er gut bezahlt würde, als geldgierig stigmatisiert.

Täter werden zu Opfer …

Dem Besucher des Films wird durch die Darstellung Abu-Assads eine Empathie mit den eigentlichen Opfern der Selbstmordattentate nahe zu unmöglich gemacht. Ganz anders sieht dies mit den Attentätern aus. Das Verhältnis von Tätern und Opfern wird umgekehrt. Opfer sind beim ihm die AttenTÄTER, die nach Abu-Assad menschliche Beweggründe für ihr handeln hätten. Täter sind DIE Israelis – wer immer das sein mag. Ein Beispiel zur Untermalung:

Hany Abu-Assad sagt, er wolle zeigen, wie Menschen in extremen Situationen handeln. Für ihn sind „die Selbstmordanschläge […] eine Folge der Unterdrückung, die zuerst aufhören muss“ und „eine sehr menschliche Reaktion auf eine extreme Situation.“ Zwar sei er gegen die Tötung von Menschen und wolle das stoppen, die Selbstmordattentäter verurteile er jedoch nicht. (www.quantara.de).

… und Selbstmordanschläge legitimiert

Eine derart verkürzte und falsche Darstellung des Nahostkonfliktes im Film und den Interviews, verharmlost und legitimiert die Selbstmordanschläge. Dem hinzu kommt die Reduktion der Ursachen von Selbstmordattentaten auf – wie Abu-Assad es bezeichnet – die Reaktion auf Besatzung und Schikanen seitens der Israelis. Antisemitismus wird, wie alle weiteren Beweggründe der Selbstmordattentäter, als Handlungsmotiv komplett ausgeblendet.

Der Film ist nicht, wie Abu-Assad sagt eine „möglichst getreue Spiegelung des Lebensgefühls in Palästina und Israel“. Er bezieht klar Stellung für die Selbstmordattentäter. Dementsprechend wird, wenn überhaupt, das Lebensgefühl einiger weniger in Palästina wieder gegeben. Welches Lebensgefühl zum Beispiel Menschen in einer israelischen Stadt haben, wenn sie sich an öffentlichen Plätzen bewegen oder in einem Bus steigen, und sich dort nach potentiellen Selbstmordattentätern umsehen, das zeigt er nicht. Obwohl dies – um noch einmal auf Abu-Assads Motivation für den Film zurückzukommen – Dinge wären, die man nicht kennt, nicht jeden Tag im Fernsehen sieht.

Paradise no

„Es ist ein Skandal, dass ein Film wie ‚Paradise now’ in einem […] Kino gezeigt wird, während in Israel andauernd Menschen Opfer des antisemitischen Wahns werden“, sagt Stefan Herrmann vom Bündnis gegen Antisemitismus Rhein/Ruhr. Damit schließt er sich den Protesten der Kampagne „Paradise no“ – einem Bündnis aus der Onlinezeitung Die Jüdische, der Redaktion Typoskript.net, der Autonomen Antifa Nordost Berlin sowie weiteren Initiativen und Einzelpersonen – an. Sie wenden sich gegen „diese ästhetische Rehabilitierung des Selbstmordattentats“. In zahlreichen Städten, darunter Hamburg, Frankfurt am Main, Wien und Berlin organisierten sie Veranstaltungen und Kundgebungen zur Premiere des Films.

Damit liefert die Kampagne eine der wenigen, und gerade deswegen besonders wichtigen Kritik an dieser Verharmlosung antisemitischer Selbstmordattentate. Und um den Artikel mit dem Worten Raimund Fastenbauer, Vizepräsident des Bundesverbandes der Israelischen Kulturgemeinden Österreichs, enden zu lassen: „Die Freiheit der Kunst hat dort ihre Grenzen, wo Massenmörder zu Opfern stilisiert werden“.

Tatort: Berlin – Die Berliner Opferberatung Reach Out veranschaulichte Orte rechter Gewalt

Anna Blume / Mut gegen rechte Gewalt

Bis Mitte Oktober wurde im Berliner Abgeordnetenhaus eine überaus nüchterne Fotoausstellung gezeigt. Gezeigt wurden Alltagsorte, die für einige Menschen zu Angsträumen geworden sind – zu Tatorten rechter Gewalt.

10. April 2005: Zwei homosexuelle Männer werden in den frühen Morgenstunden am Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg von vier jungen Männern angegriffen und verletzt. Sie werden mehrfach ins Gesicht geschlagen und als „schwule Säue“ beschimpft. Beide Geschädigte tragen Nasenbeinfrakturen und Prellungen im Gesicht davon. Einer hat zudem ein angebrochenes Kiefergelenk und eine Risswunde an der Stirn.

Szenenwechsel.17. April 2005: Zwei linke Jugendliche werden um circa 4 Uhr morgens im S-Bahnhof Karlshorst [Berlin Lichtenberg] von zehn der rechten Szene zuzuordnenden Männern unvermittelt angegriffen und dabei verletzt. Die Täter schlugen und traten mehrfach mit Springerstiefeln auf die Jugendlichen ein und beleidigen diese als „Antifaschweine“ und „dreckige Zecken“.

Noch einmal Szenenwechsel. 4. Mai 2005: Als ein 22-jähriger kanadischer Tourist, der anhand seiner Kleidung klar als Jude zuerkennen ist, die Ausstellung „Topographie des Terrors“ in der Niederkirchnerstraße verlässt, wird er von einem 35-jährigem aus Tiergarten beleidigt und bespuckt.

Tatorte ohne Opfer

Die Orte sind austauschbar und alltäglich, die dort erlebten Erfahrungen individuell verschieden. Gemein ist ihnen, dass sie von vielen nicht als Räume, in denen rechtsextrem, rassistisch oder antisemitisch motivierte Übergriffe stattfinden, wahrgenommen werden. Dies stellt die Ausstellung „Berliner Tatorte – Dokumente rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt“ durch die Abwesenheit der Opfer auf 60 Tafeln mit Fotographien von Übergriffsorten dar. Erst durch einen kurzen Text, der beschreibt zu welcher Zeit was passierte, erhält der Ort etwas Spezifisches. Maik Schlüter, Kurator der von der Berliner Opferberatung Reach Out initiierten Ausstellung, ist sich bewusst, dass dies den Betrachter irritieren kann, ist er doch sonst spektakuläre und affektive Bilder gewohnt. Dies werde „bewusst ausgespart um gesellschaftliche Wirklichkeit und Alltägliches darzustellen“, erklärt Schlüter.

Reach Out wurde mehrfach angefragt Chroniken von Übergriffen zu erstellen. Diese sollten unter anderem bei Stadtteilfesten ausgestellt werden um auf das Problem des Rechtsextremismus vor Ort aufmerksam zu machen. Doch zu textlastig wirkten sie eher abschreckend, es gelang ihnen kaum ein Gespür für die Situation von Opfern zu vermitteln. Sich dieser Problematik bewusst suchte Reach Out nach anderem Darstellungsmöglichkeiten. Dabei entstand die Idee zur Visualisierung auf Fototafeln, die nun im Rahmen einer Ausstellung bis zum 14. Oktober im Abgeordnetenhaus Berlin besichtigt werden kann.

Eines Tages überflüssig

„Projekte gegen Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit und für Toleranz finden im Berliner Abgeordnetenhaus immer einem Raum“, so eröffnete Parlamentspräsident Walter Momper die Ausstellung.. In seiner Rede betonte er, dass rechtsextreme Gewalt überall anzutreffen sei, somit jeden betreffe und dass es wichtig sei nicht wegzusehen, sondern einzugreifen. „Rechtsextremes, fremdenfeindliches und nationalistisches Denken reicht bis in die Mitte der Gesellschaft“, konstatierte Berlins Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner und forderte diesbezüglich einen öffentlichen Diskurs. Sie hält Projekte wie Reach Out für unverzichtbar.

Günter Piening, Migrationsbeauftragter der Stadt, bezeichnete den Ansatz von Reach Out als „innovativ“. Der Verein unterstütze nicht nur Opfer durch Beratung, sondern trage durch seine Bildungsarbeit auch zur Sensibilisierung der Bevölkerung hinsichtlich dieser Problematik bei, so Piening. Nach all den – zu recht – positiven Würdigungen äußerte Sabine Seyb von Reach Out nur noch einen Wunsch: Dass ihre Arbeit Tag für Tag ein wenig überflüssiger wird. Dass eines Tages keiner mehr eine Beratung benötigt, da niemand mehr angegriffen oder beleidigt wird.

Berliner Tatorte – Dokumente rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt ; 26. September bis 14. Oktober im Berliner Abgeordnetenhaus ; Niederkirchnerstraße 5, 10117 Berlin ; S-Bahnhof Anhalter Bahnhof, U-/S-Bahnhof Potsdamer Platz. Eine Ausstellung von Reach Out – Opferberatung und Bildung gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus.

Weitere Informationen: www.reachoutberlin.de

Mehr Gespür für und Ideen gegen Antisemitismus entwickeln : Projekttage am Runge-Gymnasium in Oranienburg

Anna Blume / Mut gegen rechte Gewalt

Anfang Februar tauschten Schüler der 11. Klasse des Oranienburger Runge-Gymnasiums den Schulalltag gegen Projekttage zum Thema Antisemitismus. Eingeladen vom schulinternen Team des Projektes „Schule ohne Rassismus“ brachten Studierende den Schülern das Thema nah.

Warum das Thema Antisemitismus?

Nach Angaben einer Studie des Institutes für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung Bielefeld zu „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ (2004) mit Schwerpunkten zum Antisemitismus stimmen 21,5% der Deutschen der Aussage zu, dass Juden zuviel Einfluss in Deutschland haben. Weitere 62,2% sind es leid von den deutschen Verbrechen an Juden zu hören und 51,2% setzen die Politik Israels mit der der Nationalsozialisten gleich.

Norman Geißler, Diplom-Psychologe und Projektleiter des siebenköpfigen Teams aus Studierenden der Universität Potsdam, erklärt hierzu: „Antisemitismus existiert in allen Schichten der Bevölkerung, bei allen politischen Einstellungen, d.h. im linken und rechten politischen Spektrum, aber auch in der Mitte der Gesellschaft und bei Menschen mit Migrationshintergrund.“ Und so ist es leider nicht verwunderlich, wenn weitere Studien zeigen, dass unter Jugendlichen das Wort „Jude“ neben „Opfer“ das meist gebrauchte Schimpfwort ist. „Um so wichtiger ist es über Antisemitismus zu informieren und die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren“, so Madleen, eine der beiden schulischen Koordinatorinnen des Projektes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, über die Intention der Veranstaltung, die sie mit Kollegin Sophie organisiert hat.

Antisemitismus an einer Schule ohne Rassismus?

Seit nun mittlerweile fast drei Jahren trägt das Runge-Gymnasium in Oranienburg den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Als Pate steht ihnen der Leiter des Jüdischen Museums Berlins und Ehrenbürger der Stadt Oranienburg, Prof. Dr. Michael Blumenthal, zur Seite. Trotz der Auszeichnung, die der Titel „Schule ohne Rassismus“ bedeutet, ist sich Sophie bewusst, dass es „gefährlich wäre zu glauben, dass die Schüler und Lehrer aufgrund des Titels oder Schulpaten frei von Rassismus und Antisemitismus sind. Die Schule ist ein Ort in der Gesellschaft wie jeder andere. Auch in ihm existieren antisemitische, rassistische und völkische Denkweisen.“

Umso dankbarer sind sie für die ehrenamtliche Unterstützung der Potsdamer Studierenden, die die Veranstaltung inhaltlich konzipierten und schon des Öfteren an Schulen wie dem Heinrich-von-Kleist Gymnasium in Berlin-Moabit, dem Friedrichgymnasium in Frankfurt / Oder und dem Oberstufenzentrum in Oranienburg durchführten.

Inhalte der Projekttage

Im Verlauf der drei Tage wurden den Schülern die Geschichte des Antisemitismus, des Zionismus und die Entstehung und Entwicklung des Staates Israels sowie Facetten des kulturellen und politischen Lebens von Juden in Deutschland in Kleingruppen mittels der Methode des kooperativen Lernens vermittelt. In Kleingruppen wird dabei das Erfahren von Fakten mit erlebbaren Emotionen verbunden, um vertieftes und selbstreflektiertes Wissen zu erreichen.

Dazu informierten sich die Schüler und Schülerinnen über die unterschiedlichen Formen des Antisemitismus im Nachkriegsdeutschland – sekundären Antisemitismus, Antizionismus, islamistischen Antisemitismus. Zudem suchten die Gruppen nach Strategien gegen antisemitische Äußerungen und Handlungen gesucht.

Schließlich analysierten die Jugendlichen die mediale Berichterstattung über Israel, besonders im Hinblick auf Doublestandards, also Doppelmoral gegenüber Israel im Vergleich mit anderen Ländern. Die Schüler sollten hierbei lernen, Informationen nicht einfach so zu akzeptieren, sondern sie kritisch zu hinterfragen. „Ich denke es ist notwendig nach Adorno zu versuchen ‚die einzig wahre Kraft gegen das Prinzip von Auschwitz […] die Kraft zur Reflexion, zur Selbstbestimmung und zum Nicht – Mitmachen‘ zu stärken“, sagte Geißler.

Den Abschluss bildete der Besuch der Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der Israelischen Botschaft. Sie erzählte von ihren alltäglichen Erfahrungen mit Antisemitismus und stellte sich den spannenden und interessierten Fragen der Schüler zu dem komplexen Thema Israel. Die Tatsache, dass sie aus Sicherheitsgründen nicht photographiert werden durfte, spricht für sich.

Resümee

Auch wenn die Elftklässler in den drei Tagen sehr viel mehr als sonst lesen mussten, haben sie doch „selbstständiges Arbeiten und selten soviel Interessantes über Geschichte und Gegenwart des Judentums gelernt“, formuliert Sophie ihr Resümme. Auch Madleen äußerte sich sehr zufrieden über den Verlauf der Projekttage. Gespannt warten sie nun auf die Auswertung der Evaluation, die vor den Projekttagen und danach sowohl Wissensstand als auch Einstellungen der Schüler abfragte.